Tag 7& 8

An diesem Morgen machte sich die Gruppe etwas früher auf den Weg in die Schule, weil wir ausnahmsweise unser Frühstück nicht im Hotel einnahmen. Wir waren nämlich eingeladen, mit den Menschen in der Schule zu essen. Es gab Quinoa und Wasser. Bescheiden aber köstlich, und wieder musste niemand verhungern, denn Kinder gingen mit Töpfen voll Essen durch die Reihen. Danach sollte es für alle Mädchen Henna-Tattoos geben, die die Kinder mit Begeisterung malten. Lauras Schützling präsentierte ihr stolz, was sie auf ihrer rechten Hand fabriziert hatte und lachte dann über das, was auf Lauras linker Hand zu sehen war. Immerhin konnte sie ihren Fehler zugeben und darüber lachen.

Nachdem Kathi ihre durch und durch gelungenen Tattoos begutachtet hatte, meinte sie, dass sie noch ein paar haben wolle. Daher stieg sie auf die Reste der anderen Tattoos, die auf ihren Fersen ein Punktemuster hinterließen, das ihr, vor allem aber den lieben Kindern, ein Lächeln ins Gesicht zauberte. (Wenn die Tattoos trocknen, müssen noch einige Reste von der Haut gekratzt werden, die dann zu Boden fallen.)

Es folgte ein Ausflug zum Fluss, bei dem die meisten nur die Füße ins Wasser hielten. Teresa beschloss jedoch die Gunst der Stunde zu nutzen, um ungehindert in das kühle Nass zu gleiten. Sie tauchte bis zum Hals ein und hopste verspielt der starken Strömung entgegen. Dabei hörte man immer wieder ein leichtes Röcheln, um nicht noch Wasser in den Mund zu bekommen. Der Hygienebeauftragte hatte zuvor vom Schwimmen abgraten, da er nach erfolgter Wassertestung in Österreich wusste, dass der Fluss unter anderem durch Schwermetalle vergiftet war. Ein hundertundein-jähriger Mann, der am Fluss lebte und täglich baden ging, stand jedoch gegen diese Behauptung.

Nach der Erfrischung beschlossen wir die Süßigkeiten, die wir mitgebracht hatten, an die Kinder zu verteilen. Brav stellten sie sich in einer Reihe auf und nahmen sich außerordentlich zurückhaltend, aber mit einem verstohlenen Lächeln im Gesicht, jeder ein einziges Stück. Nachdem die ganze Schlange durch war, freuten sie sich besonders darüber, dass sie noch zwei Runden gehen durften. Auch die Lehrer bekamen im Anschluss etwas und freuten sich um nichts weniger darüber. Als wir am Abend dann zurück ins Hotel fuhren, wurden wir von den Kindern besonders fröhlich verabschiedet und auch am nächsten Tag erwartet.

Am achten Tag war der Umzug in das nächste Hotel geplant und wir sollten unsere Sachen gleich zusammenpacken. Daher konnten wir etwas länger schlafen, jedoch schien die Stimmung am Morgen trotzdem leicht getrübt zu sein. Als wir jedoch dann in der Schule ankamen, wollten viele Mädchen die Chance ergreifen und noch ein Schläfchen im Shiva-Tempel machen. Herr Professor Vlaschitz verbot dieses Vorhaben aber mit äußerster Bestimmtheit. Sein Verbot war jedoch nicht besonders nachhaltig, da er selbst im heiligen Tempel einschlief. Außerdem erlaubten es die Inder und somit taten wir es ihm gleich. Rechtzeitig zum Mittagessen wurden alle durch einen Gong geweckt und versammelten sich. Wie immer aßen wir gut und viel. Nach dem Mittagessen wollten wir noch Yoga ausprobieren. Weil ich durch einen leichte Grippe geschwächt war, nahm ich persönlich nicht teil, photographierte jedoch auf Ansuchen des Professors einen Teil mit. Einigen Mädchen, besonders Laura und Teresa, fiel es schwer nicht zu lachen und vor allem eine ganze Stunde nicht zu reden. Deswegen sprengten sie die besinnliche Einheit immer wieder mit lautem Gelächter, bis Laura schließlich eine halbe Stunde vor Ende einschlief. Sie behielt dann während die anderen standen bzw. knieten die stabile Seitenlage bei. Auch Luki beschloss sich den Strapatsen der Einheit nicht länger hinzugeben, und auf den Positionswechsel und die Anweisungen der Lehrerin zu pfeifen. Stattdessen machte er den toten Frosch, was auch ein gewisses Können verlangte, vor allem in solcher Entschlossenheit. Auch als ein zu seinen Ehren veranstaltetes Fotoshooting, mit ihm im Mittelpunkt, veranstaltet wurde, hielt er seine Konzentration immer noch aufrecht. Mit erstaunlichem Ehrgeiz blieb er bei seiner Strategie bis er schließlich verwirrt aus seiner Meditation hochschreckte. Zum Wachwerden gab es für alle einen Tee und anschließend wurde die Wasserdestillieranlage installiert. Danach schmeckte das Wasser herausragend besser und war wirklich fast mit der Qualität österreichischen Wassers zu vergleichen.  Für den nächsten Tag wurde ein Flussfest angekündigt, das millionen Menschen anziehen würde.

„Komisch diese Inder. Die feiern den Geburtstag von einem Fluss!“

Herr Vlaschitz bekam von Swami Guru Sharanananda einen Punjabi geschenkt. Ich bin mir nicht sicher ob dies ein Akt der Freundlichkeit war, oder ob dieser nur den Kleidungsstiel unseres Professors als unpassend empfand!

Bei der Heimfahrt standen wir aufgrund des enormen Anreiseverkehrs im Stau und konnten viele Menschen, die in viel zu kleine Gefährte gepresst waren, begutachten. Das Hotel, in das war als nächstes fuhren, sah anfangs ganz gut aus, erinnerte jedoch, aufgrund von von außen verschließbarer Türen, an ein Gefängnis. Der Rezeptionist meinte außerdem, dass sie ein Affenproblem hätten und riet zur Vorsicht. Ansonsten war alles zu unserer Zufriedenheit und auch das folgende Abendessen im Hotel war äußerst delikat.

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