Tag 12&13

Dieser Tag begann für mich damit, dass ich mich endlich einmal ausschlafen konnte. Die meisten Personen aus unserer Gruppe wollten nach Agra zum Taj Mahal, ich jedoch blieb mit den anderen Burschen und Lisa zurück in Old Delhi, da wir keine 7-stündige Fahrt in Kauf nehmen wollten. Simon blieb als Betreuer mit uns zurück und wir machten einen gemütlichen Shoppingtag, wobei wir lange einfach nur in einem Roof-Top Cafe saßen. Der Tag war sehr angenehm und auch für unsere etwas kranken Schüler mit Sicherheit gesund.

Wir wussten, dass es die richtige Entscheidung gewesen war im Hotel zu bleiben, als wir hörten, dass die anderen im Stau stünden und schließlich achteinhalb Stunden gefahren waren. Ich schlief an diesem Tag relativ früh ein und hatte das Gefühl, dass ich nichts verpasst hatte.

Im Nachhinein hörte ich folgende Erzählungen: „Die Hinfahrt dauerte sage und schreibe dreieinhalb Stunden. Da die meisten schliefen, verging sie allerdings wie im Flug. In Agra angekommen, wurden wir direkt vor den Eingang des Taj Mahals gebracht, dass wir begutachteten. Grundsätzlich war es dort wie bei jeder größeren Sehenswürdigkeit. Ein Haufen Touristen aus aller Welt, ausgestattet mit Kameras, oder Smartphones, welche dazu benutzt wurden, um Frontalaufnahmen vom Taj Mahal zu machen, nur um sich kurz darauf ein paar Ansichtskarten zu kaufen, die genau das Gleiche abbildeten. Natürlich war auch die Selfi-Generation nicht weit. Diese ist daran erkennbar, dass die ihr angehörenden Menschen immer mit dem Rücken zur Sehenswürdigkeit stehen und einen Gesichtsausdruck haben, als würden sie bei 322,33km/h den Kopf aus dem Autofenster strecken. Der mittlerweile etwas verkrampft wirkende Selfigesichtsausdruck blieb vielen die Fahrt zurück über erhalten, da wir im Stau standen und es für 5 Stunden keine Toilette gab. Eine sogar für indische Verhältnisse heruntergekommene Autobahntoilette brachte die Erleichterung im wahrsten Sinne des Wortes. Alles in allem……….ein toller Tagesausflug.“

Der nächste Tag war unser letzter in Indien, den wir noch einmal mit Shopping und einem Abendessen am Roof-Top Cafe verbrachten. Ich bekam doch noch meinen Anzug und auch Herr Professor Vlaschitz durfte sich über ein ganz besonderes Unikat freuen.

 

Indien, ein Land mit vielen Gesichtern, Reichtum und Armut, unberührter Natur und verdreckter Stadtluft, mit grenzenloser Gastfreundschaft und immer noch vorhandenem Alltagsrassismus (Kastensystem). Eine für mich persönlich Augen-öffnende Reise, deren Eindrücke und Anblicke ich nie vergessen werde.

Tag 11

Auch das Aussteigen, aus dem Zug, verlief überraschend problemlos. Zu meiner Verwunderung verloren wir niemanden, bis auf unseren etwa 1,221m großen Guide. Da der Bus zum Hotel schon vor dem Ausgang wartete und wir uns schon auskannten, brauchte ihn jedoch keiner mehr und wir vermissten ihn nicht. Im Hotel wurden wir mit Freude erwartet und sogar unsere Zimmer waren schon fertig.

Nach einer Stunde Rast machten wir uns auf nach New Delhi, dessen Besichtigung sich bei unserem ersten Halt nicht mehr ausgegangen war. Wir nahmen uns erneut Tuk-Tuks und trafen uns alle am „Indian Gate“. Von dort aus suchten wir einen gewissen „Khan Market“, der schwer zu finden war. Dort trafen sich die Reichen und die Preise waren entsprechend hoch, jedoch konnten wir auch einmal völlig unbedenklich Salat und Obst essen. Nach diesem Essen liefen wir in Kleingruppen für eine weitere Stunde am Markt herum und trafen uns anschließend wieder vor dem Restaurant. Unser Herr Professor kam abermals zu spät und gab uns wieder einmal die Chance uns in Geduld zu üben. –Dankesehr!  Flo und ich machten uns daraufhin auf zu unserem Schneider, bei dem wir einen Anzug in Auftrag gegeben hatten. Flo’s Anzug saß auf Anhieb perfekt und sah besser aus als alle die ich bis dahin gesehen hatte. Meiner sah zwar gut an, war aber an den Armen leicht zu lang und ich ließ ihn deshalb noch einmal kürzen. Auch Herr Professor Vlaschitz beschloss sich nun einen Anzug schneidern zu lassen. Er wählte dafür einen ganz besonderen Stoff, für den ich keine passenden Worte finden kann. Er wirkte optisch allerdings ähnlich dem Samtsakko,  das er sich etwas später kaufte. Ich bin überzeugt davon, dass er einen neuen Modetrend bei uns zu Hause auslösen wird. Nachdem all dies getan war, war es auch schon eher spät und wir gingen zum Schlafen zurück ins Hotel.

Tag 10

Wir machten unseren Weg zurück nach Delhi. Dazu lag wieder eine 17-stündige Zugfahrt vor uns, die dieses Mal allerdings wie im Flug verging. Wir lernten eine Familie kennen. Die Eltern teilten uns Essen aus, das köstlicher schmeckte als von jedem Restaurant das wir bisher besucht hatten und die Kinder unterhielten sich mit uns in außerordentlich gutem Englisch. Zudem tauschten wir unsere Betten so herum, dass wir alle zusammen lagen und vor allem kein Mädchen abseits der Gruppe schlief. Ich persönlich genoss die Zugfahrt, die ich zum Großteil verschlief.

Tag 9

An diesem Morgen fuhren wir das letzte Mal zur Schule, deren Personal in Vorbereitungen des Flussfestes vertieft war. Einige Mädchen beschlossen ihnen zu helfen und wickelten dazu Blätter um einige Seile. Ich bewunderte ihre Präzision und Beharrlichkeit bei dieser anspruchsvollen Aufgabe. Nach der Arbeit wurden wir eingeladen, etwas Volleyball mit den Schülern zu spielen. Das Spiel funktioniert in Indien anscheinend etwas anders und sie waren sich der Regeln nicht zu 100% im Klaren. Zum Beispiel spielte man nicht wie bei uns in Zweierteams, sondern in Teams von 32 Personen. Dadurch wurde es nahezu unmöglich einen Ball zu erwischen, was jedoch ganz im Sinne der meisten unserer Mädchen war. Nur Laura war erschüttert über die Ungenauigkeit der Angabe des Punktestandes und verlangte einen staatlich geprüften Wettkampfrichter. –Das war allen egal. Das Spiel war trotz kleiner Ungenauigkeiten aber immer noch lustig, was vor allem daran lag, dass alle Inder begeistert spielten. Volleyball war außerdem nicht das einzige Spiel, das wir erlernten. Wir bekamen zusätzlich eine Einführung in den Sport „Cricket“. Es stellte sich heraus, dass wir unglaublich unbegabt in dieser Sportart waren. Deshalb  wandten wir uns bald wieder Dingen zu, die wir wirklich beherrschten. – Zum Beispiel das Meditieren im Shiva-Tempel.  Am späten Nachmittag ging es dann mit den Feierlichkeiten los. Alle zusammen machten wir uns auf den Weg zum Fluss. Dort angekommen sahen wir einige ältere Inder, aber auch kleine Kinder, die im Wasser badeten. Dadurch packte uns die Lust selbst auch den Sprung zu wagen. Simon, Max, Flo und allen voran Teresa stürzten sich ins kühle Nass. Die Strömung war relativ stark und so konnte man die munteren Gesichter erkennen, die sich nach oben verzogen, um nichts von dem hochspritzenden Wasser in den Mund  zu bekommen. Besonders fröhlich war Flo, dessen Steißbein liebevolle Begegnungen mit im Flussbett liegenden Steinen hatte. Das Herauskommen aus dem Wasser war auch nicht all zu leicht, jedoch schien es allen die Strapatsen wert zu sein. Jetzt beschloss auch ich mit in den Fluss zu gehen, was ich nicht bereuen sollte. Das Wasser war überraschend warm und ich fand schnell meinen Weg hinein. Ich hatte zuvor die Strömung unterschätzt, die es einem schwer machte an einem Fleck zu bleiben. Glücklicherweise war das Wasser nur etwa knietief und man hatte sich nicht zu fürchten.

Nach dem Baden beobachteten wir die Zeremonie zu Ehren des Flusses, bei der Essen und auch Kleidung ins Wasser geworfen wurden. Außerdem zündeten sie kleine Lichter an, die sie dann auf kleinen Schalen hinaustreiben ließen. Als wir zurück zur Schule kamen, war es schon recht kalt geworden und die Motivation war an einem Tiefpunkt angelangt. Deshalb beschlossen wir aufzubrechen, was auch hieß, Abschied zu nehmen. Zu diesem Zweck stellten sich die Kinder und Lehrer um uns herum auf und beteten für eine sichere Heimreise. Danach bekamen einige von uns Zeichnungen geschenkt und ich, weil ich am vorherigen Tag krank gewesen war, eine Packung Schwarztee. Einige Kinder weinten als wir fuhren, und auch die Lehrer schienen sichtlich berührt. Ich war erstaunt über die Gastfreundschaft und Nächstenliebe, die uns die Menschen hier entgegen brachten. Auch uns standen teils Tränen in den Augen und es überraschte mich selbst, dass auch ich so traurig war, obwohl ich die Kinder nur vier Tage gesehen hatte.

An diesem Tag schlief ich schnell ein und hörte nicht einmal mehr die laute Musik, die vom Flussfest bis in die Stadt dröhnte.

Tag 7& 8

An diesem Morgen machte sich die Gruppe etwas früher auf den Weg in die Schule, weil wir ausnahmsweise unser Frühstück nicht im Hotel einnahmen. Wir waren nämlich eingeladen, mit den Menschen in der Schule zu essen. Es gab Quinoa und Wasser. Bescheiden aber köstlich, und wieder musste niemand verhungern, denn Kinder gingen mit Töpfen voll Essen durch die Reihen. Danach sollte es für alle Mädchen Henna-Tattoos geben, die die Kinder mit Begeisterung malten. Lauras Schützling präsentierte ihr stolz, was sie auf ihrer rechten Hand fabriziert hatte und lachte dann über das, was auf Lauras linker Hand zu sehen war. Immerhin konnte sie ihren Fehler zugeben und darüber lachen.

Nachdem Kathi ihre durch und durch gelungenen Tattoos begutachtet hatte, meinte sie, dass sie noch ein paar haben wolle. Daher stieg sie auf die Reste der anderen Tattoos, die auf ihren Fersen ein Punktemuster hinterließen, das ihr, vor allem aber den lieben Kindern, ein Lächeln ins Gesicht zauberte. (Wenn die Tattoos trocknen, müssen noch einige Reste von der Haut gekratzt werden, die dann zu Boden fallen.)

Es folgte ein Ausflug zum Fluss, bei dem die meisten nur die Füße ins Wasser hielten. Teresa beschloss jedoch die Gunst der Stunde zu nutzen, um ungehindert in das kühle Nass zu gleiten. Sie tauchte bis zum Hals ein und hopste verspielt der starken Strömung entgegen. Dabei hörte man immer wieder ein leichtes Röcheln, um nicht noch Wasser in den Mund zu bekommen. Der Hygienebeauftragte hatte zuvor vom Schwimmen abgraten, da er nach erfolgter Wassertestung in Österreich wusste, dass der Fluss unter anderem durch Schwermetalle vergiftet war. Ein hundertundein-jähriger Mann, der am Fluss lebte und täglich baden ging, stand jedoch gegen diese Behauptung.

Nach der Erfrischung beschlossen wir die Süßigkeiten, die wir mitgebracht hatten, an die Kinder zu verteilen. Brav stellten sie sich in einer Reihe auf und nahmen sich außerordentlich zurückhaltend, aber mit einem verstohlenen Lächeln im Gesicht, jeder ein einziges Stück. Nachdem die ganze Schlange durch war, freuten sie sich besonders darüber, dass sie noch zwei Runden gehen durften. Auch die Lehrer bekamen im Anschluss etwas und freuten sich um nichts weniger darüber. Als wir am Abend dann zurück ins Hotel fuhren, wurden wir von den Kindern besonders fröhlich verabschiedet und auch am nächsten Tag erwartet.

Am achten Tag war der Umzug in das nächste Hotel geplant und wir sollten unsere Sachen gleich zusammenpacken. Daher konnten wir etwas länger schlafen, jedoch schien die Stimmung am Morgen trotzdem leicht getrübt zu sein. Als wir jedoch dann in der Schule ankamen, wollten viele Mädchen die Chance ergreifen und noch ein Schläfchen im Shiva-Tempel machen. Herr Professor Vlaschitz verbot dieses Vorhaben aber mit äußerster Bestimmtheit. Sein Verbot war jedoch nicht besonders nachhaltig, da er selbst im heiligen Tempel einschlief. Außerdem erlaubten es die Inder und somit taten wir es ihm gleich. Rechtzeitig zum Mittagessen wurden alle durch einen Gong geweckt und versammelten sich. Wie immer aßen wir gut und viel. Nach dem Mittagessen wollten wir noch Yoga ausprobieren. Weil ich durch einen leichte Grippe geschwächt war, nahm ich persönlich nicht teil, photographierte jedoch auf Ansuchen des Professors einen Teil mit. Einigen Mädchen, besonders Laura und Teresa, fiel es schwer nicht zu lachen und vor allem eine ganze Stunde nicht zu reden. Deswegen sprengten sie die besinnliche Einheit immer wieder mit lautem Gelächter, bis Laura schließlich eine halbe Stunde vor Ende einschlief. Sie behielt dann während die anderen standen bzw. knieten die stabile Seitenlage bei. Auch Luki beschloss sich den Strapatsen der Einheit nicht länger hinzugeben, und auf den Positionswechsel und die Anweisungen der Lehrerin zu pfeifen. Stattdessen machte er den toten Frosch, was auch ein gewisses Können verlangte, vor allem in solcher Entschlossenheit. Auch als ein zu seinen Ehren veranstaltetes Fotoshooting, mit ihm im Mittelpunkt, veranstaltet wurde, hielt er seine Konzentration immer noch aufrecht. Mit erstaunlichem Ehrgeiz blieb er bei seiner Strategie bis er schließlich verwirrt aus seiner Meditation hochschreckte. Zum Wachwerden gab es für alle einen Tee und anschließend wurde die Wasserdestillieranlage installiert. Danach schmeckte das Wasser herausragend besser und war wirklich fast mit der Qualität österreichischen Wassers zu vergleichen.  Für den nächsten Tag wurde ein Flussfest angekündigt, das millionen Menschen anziehen würde.

„Komisch diese Inder. Die feiern den Geburtstag von einem Fluss!“

Herr Vlaschitz bekam von Swami Guru Sharanananda einen Punjabi geschenkt. Ich bin mir nicht sicher ob dies ein Akt der Freundlichkeit war, oder ob dieser nur den Kleidungsstiel unseres Professors als unpassend empfand!

Bei der Heimfahrt standen wir aufgrund des enormen Anreiseverkehrs im Stau und konnten viele Menschen, die in viel zu kleine Gefährte gepresst waren, begutachten. Das Hotel, in das war als nächstes fuhren, sah anfangs ganz gut aus, erinnerte jedoch, aufgrund von von außen verschließbarer Türen, an ein Gefängnis. Der Rezeptionist meinte außerdem, dass sie ein Affenproblem hätten und riet zur Vorsicht. Ansonsten war alles zu unserer Zufriedenheit und auch das folgende Abendessen im Hotel war äußerst delikat.

Tag 6

Um uns Burschen wieder zu rehabilitieren, gaben ihnen die Mädels durch kollektives Zuspätkommen die Chance, als einzige pünktlich beim Frühstück zu erscheinen – nur Kathi stellte  sich gegen das System, um als erste an gewärmte Pommes und Abwaschtee zu kommen.- bravo Kathi!

Und was macht Simon? Floh (wieso mit h? Sie haben mich immer schon mit h geschrieben) ruft ihn an: „ja“ -„Do is einer der Vollwappler“- „JA“- „Wir fahren jetzt, du musst runterkommen“ „JA“

Um auch den Letzten aufzuwecken, beschloss der Fahrer keines der 21547,4 Schlaglöcher bis zur Schule auszulassen, wobei das letzte geschätzte 2km lang war. Außerdem versuchte er durch interessante Überholmanöver der Marke: Frontalcrash uns bei Laune zu halten.  Zum Glück gab es eh keine Sicherheitsgurte – bis auf den Fahrer- den Feigling.  Wir hielten uns gegenseitig beim Krawattl  fest. Physiker Simon: „ Wenn jeder den vor sich festhält, dann kann nur dem Letzten etwas passieren, da die anderen ja festgehalten werden.“ – sicher, dass der mit dem Studium schon bald fertig sein wird?

Nach liebevoller Begrüßung durch die Swamis erhielten wir eine Komplettführung durch das ganze Areal welches aus vielen kleineren Bauten, wie zum Beispiel diversen Klassenhäuschen, Unterbringungen, drei wunderschönen Tempeln, Esszimmern usw., bestand. Man konnte sehen, dass zusätzlich zu den vorhandenen,  weitere Bauten in Arbeit waren. Es sollte sich herausstellen, dass die indischen Bauarbeiter schnell arbeiteten, da sie ein Haus in unseren vier Tagen Besuchszeit fertigstellten. Im Gegensatz zu österreichischen Baustellen waren jedoch auch eher viele Arbeiter beschäftigt. Bei diesem Anblick erinnerte ich mich zurück an unsere Baustellen: Umfassende Absperrungen, besetzte Toiletten, leere Bierdosen und  menschenlose Arbeitsflächen. Ihre Bauten wirkten solide und sorgfältig geplant. Einer ihrer beeindruckendsten Gebetsstätten war der Shiva-Tempel, der Aussicht auf den Fluss, und die davor liegende Landschaft, bot. Er eignete sich hervorragend für Gebete, kleine Gottesfeiern und österreichische Meditationsinterpretationen (schlafen).  Die Musikinstrumente welche wir mitgebracht hatten wurden dorthin gebracht und einige gottverehrende Lieder angestimmt, zu denen uns der Swami Geschichten erzählte. Daraufhin sollten wir etwas Österreichisches singen. Auf das waren wir leider keineswegs vorbereitet, was dazu führte, dass wir Kunstwerke der Musikgeschichte wie „Biene Maja“, „Ham Kumst“ und ein kroatisches Volkslied auspackten. Den Anfang machte jedoch Simon mit einem Solo (auf der Gitarre). Er sang einen selbstgeschriebenen Song aus dem Sortiment seiner Band „Schmafu“, dessen Text er zur Hälfte vergaß. Nach ihm wechselten wir uns immer ab, was zu einer gewissen „Battle-Atmosphäre“ führte. Wir wurden in den Boden gestampft, hatten jedoch alle Spaß.

Beim Tanz hatten wir jedoch die Nase vorne. Ich begann mit etwas Breakdance, wobei meine Hose verrutschte und ich den Indern hinter mir ein tiefes Maurerdekollte offenbarte, welches sie beeindruckt haben dürfte. Die Sauberkeit meines Gesäßes muss ihnen außerdem erklärt haben, weswegen Flo und Simon beim Essen teils die linke Hand verwendeten, die nach lokaler Sitte zur Befreiung des Pos von Fäkalresten dient. Außerdem wollten einige indische Kinder nach der Showeinlage die Kunst meines verführerischen „Striptease“ erlernen und ich konnte leicht ihr Vertrauen gewinnen. Die Musikinstrumente, die wir mitgebracht hatten, schenkten wir ihnen im Anschluss und zeigten ihnen, so gut wir es konnten, wie man darauf spielte. Es dauerte allerdings einige Zeit bis wir die Kinder überzeugen konnten, dass die Instrumente ihnen gehörten und sie sie uns nicht mehr nachtrugen.

Beim Essen wurde uns eine (für indische Verhältnisse) große Auswahl geboten und wir lernten wie man nur mit der rechten Hand aß. Wie bereits erwähnt, meinte Flo, dass bereits Verdautes seinem Essen eine gewisse Würze verleihen würde und bezogen deshalb auch die Linke mit ein. Nach dem Essen konnten die Gemälde, bestehend aus Essensresten, auf unserer Kleidung begutachtet werden.

Es war höchste Zeit zurück ins Hotel zu kommen!

Tag 5

Aufgewacht im Zug, machten wir es uns in unserem Abteil gemütlich. Laura wurde um etwa acht Uhr munter und weckte daraufhin Luki auf, um sein Bett in eine Bank umzuwandeln. Daraufhin musste Luki im Sitzen schlafen, da Laura den Rest der Bank für sich beansprucht hatte und erneut im Liegen einschlief. Teresa erzählte uns von ihrem lustigen Ferialjob  –  Mais bestäuben.  Nach einer erneuten Fressorgie, mussten wir jedoch aufgrund einer, auf den Gleisen stehenden Kuh, eine Stunde pausieren. In Indore angekommen, erwarteten uns bereits zwei Busfahrer.  Nach einer abenteuerlichen, zwei stündigen Fahrt auf einer Autobahn mit Geschwindigkeitsbegrenzungen von 20 km/h, kamen wir schließlich in Maheshwar an. Unser Hotel war weit und breit das beste. Nach dem Bezug der Zimmer, machten wir uns auf die Suche nach einem Bettüberzug. Umringt von liegenden Kühen schlenderten wir entlang der dreckigen Straßen, bis wir endlich unser Restaurant erreicht hatten.  Das Essen vor Ort war vorzüglich und wir wurden durch ein Feuerwerk unterhalten. Zurück im Hotel, spielten wir an der Rezeption UNO und Philipp und ich schrieben den Blog, da wir endlich Internetzugang hatten. Da unsere Laken noch immer nicht gewechselt wurden, begann unser Arzt und Hygienebeauftragter mit folgenden Worten aktiv zu werden: „Ich werde mich jetzt erheben, nach oben gehen, diese zwei Finger in den Nasenlöcher des Pagen versenken und dafür Sorge tragen, dass  die Bettlaken endlich gewechselt werden“. Nach der erfolgten Nasendilatation, wurden die halbfleckigen Laken durch Laken der Kollektion: extra-fleckig ersetzt. Der Hygienebeauftragte schien im Sonderurlaub zu sein. Eine Ratte gesellte sich zu uns und falls jemand noch nicht richtig in Indien-Stimmung war, war er es jetzt bestimmt. WELCOME TO INDIA!  Auch unser Herr Professor fand Freude daran Schischi und einen Rezeptionisten mittels „Zaubertricks“ auf den Arm zu nehmen.

Die nächsten 20 Stunden im Zug

Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tc…Tuc…TUc…Tuc…TUc…Tuc…Tuc…Tuc…

„Es stinkt!“

Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tc…Tuc…TUc…Tuc…TUc…Tuc…Tuc…Tuc…

„Chaiiii, Water, Chaiiii, Water, Chaiiii, Water, Chaiiii!!!!“

„Es ist so eng!“

Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tc…Tuc…TUc…Tuc…TUc…Tuc…Tuc…Tuc

Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tc…Tuc…TUc…Tuc…TUc…Tuc…Tuc…Tuc…

„Meine Haxen sind eingschlafen“

Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tc…Tuc…TUc…Tuc…TUc…Tuc…Tuc…Tuc…

„Chaiiii, Water, Chaiiii, Water, Chaiiii, Water, Chaiiii!“

Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tc…Tuc…TUc…Tuc…TUc…Tuc…Tuc…Tuc…

„Ich erfrier!“

Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tc…Tuc…TUc…Tuc…TUc…Tuc…Tuc…Tuc…

Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tc…Tuc…TUc…Tuc…TUc…Tuc…Tuc…Tuc…

„Mah….Es ist so unkomfortabel“

Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tc…Tuc…TUc…Tuc…TUc…Tuc…Tuc…Tuc…

„Chaiiii, Water, Chaiiii, Water, Chaiiii, Water, Chaiiii!“

Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tc…Tuc…TUc…Tuc…TUc…Tuc…Tuc…Tuc…

„Kakerlaken!!!“

Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tc…Tuc…TUc…Tuc…TUc…Tuc…Tuc…Tuc…

Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tc…Tuc…TUc…Tuc…TUc…Tuc…Tuc…Tuc…

„Mir tut alles weh!“

Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tc…Tuc…TUc…Tuc…TUc…Tuc…Tuc…Tuc…

„Chaiiii, Water, Chaiiii, Water, Chaiiii, Water, Chaiiii!“

Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tc…Tuc…TUc…Tuc…TUc…Tuc…Tuc…Tuc…

„Schläft der fette Inder über mir?“

Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tc…Tuc…TUc…Tuc…TUc…Tuc…Tuc…Tuc…

Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tc…Tuc…TUc…Tuc…TUc…Tuc…Tuc…Tuc…

„Schnaaarch…….schnaarch…..schnarch!!!“

Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tc…Tuc…TUc…Tuc…TUc…Tuc…Tuc…Tuc…

„Chaiiii, Water, Chaiiii, Water, Chaiiii, Water, Chaiiii!“

Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tc…Tuc…TUc…Tuc…TUc…Tuc…Tuc…Tuc…

„Der Simon ist ja immer noch da!“

Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tc…Tuc…TUc…Tuc…TUc…Tuc…Tuc…Tuc…

(Ließt das noch jemand?)

Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tc…Tuc…TUc…Tuc…TUc…Tuc…Tuc…Tuc…

„Kathi zieh dein T-Shirt hoch!!“

Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tc…Tuc…TUc…Tuc…TUc…Tuc…Tuc…Tuc…

„Chaiiii, Water, Chaiiii, Water, Chaiiii, Water, Chaiiii!“

Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tc…Tuc…TUc…Tuc…TUc…Tuc…Tuc…Tuc…

A: „Ich muss jetzt aufs Klo.“      B: „Glaub ma des willst ned!“

Pfffffffffrrrrrrrrrrrrrrrrrr…Pff…Pff…Pff….   A: „War eh nicht so schlimm, aber warum geht die Spülung ums Klo herum?“

Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tc…Tuc…TUc…Tuc…TUc…Tuc…Tuc…Tuc…

„Jetzt fahr ma schon Stunden durch Indien, und ham noch immer kann Indianer gsehn!“

Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tc…Tuc…TUc…Tuc…TUc…Tuc…Tuc…Tuc…

Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tc…Tuc…TUc…Tuc…TUc…Tuc…Tuc…Tuc…

„Chaiiii, Water, Chaiiii, Water, Chaiiii, Water, Chaiiii“

Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tc…Tuc…TUc…Tuc…TUc…Tuc…Tuc…Tuc…

„Wann geht die Kuh endlich von da Schiene runter?“

Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tc…Tuc…TUc…Tuc…TUc…Tuc…Tuc…Tuc…

Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tc…Tuc…TUc…Tuc…TUc…Tuc…Tuc…Tuc…

„Ich werd im Sommer Mais bestäuben!“

Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tc…Tuc…TUc…Tuc…TUc…Tuc…Tuc…Tuc…

„Chaiiii, Water, Chaiiii, Water, Chaiiii, Water, Chaiiii“

Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tuc…Tc…Tuc…TUc…Tuc…TUc…Tuc…Tuc…Tuc…

„Pleeeeeaaaase: SHUT UP!!!“

Tag 4

Das Aufstehen nach nur 2 Stunden Schlaf fiel mir überraschen leicht, und ich war eigentlich ziemlich motiviert. An diesem Tag ging es mit der U-Bahn nach New Delhi, was  überraschend gut funktionierte.  In New Delhi angekommen, waren wir zunächst darüber erstaunt, dass es zur Abwechslung einmal nicht stank und auch nicht schmutzig war. Außerdem war nur mehr vereinzeltes Hupen wahrzunehmen. Wir machten einen Spaziergang durch einen Park, der um vieles schöner war, als alle Parks die ich in näherer Umgebung zu Eisenstadt kenne. Unser Ziel war der Lotus-Tempel, der ein beeindruckendes Bauwerk war.  Von diesem Tempel ging eine gewisse Ruhe aus. Die Atmosphäre darin war entsprechend besinnend und man konnte kaum ein Wort hören, da die meisten Menschen vor Ehrfurcht verstummten. Das Gebäude war umringt von Wasserbecken, vor denen wir uns einige Zeit niederließen und ich versuchte zu meditieren. Durch die Sonne und die Ruhe kam eine gewisse Sommerurlaub-Stimmung auf und unsere, in der Sonne liegende Mädchen mussten vom Sicherheitspersonal zurechtgewiesen werden. Als wir das Gelände schließlich verlassen hatten,  brachten uns Tuk-Tuks, mit einem kleinen Umweg, zurück zur U-Bahn. Die Fahrt war eher ruhig und im Vergleich zur Fahrt am Morgen menschenleer. Als wir zurück im Hotel waren, hatten wir noch kurz  Zeit um unser Gepäck zu holen, und stiegen daraufhin in den wartenden Bus, der uns zum Bahnhof brachte. Wir hatten einen Liegewagon, weswegen uns das Schlafen eher leicht fiel.

Tag 3

Das Frühstück, das wir am Vortag bestellt hatten, bestand aus Butter-Toast und  Schwarztee. Gleich nach dem Essen fuhren wir in die Altstadt. Dazu nahmen wir uns ein paar Tuk-Tuks, die uns einen völlig neuen Fahrstil aufzeigten. In der Altstadt angekommen, blieben wir bei einem Geschäft stehen und kleideten uns völlig neu, im indischen Stil, ein. Unser sehr geehrter Herr Professor Vlaschitz bekam einen Punjabi als Geschenk, den er in einem Plastiksack fröhlich herum schwang. Die indischen Plastiksäcke scheinen nicht für derartige Belastungen ausgelegt zu sein, was dazu führte, dass der Henkel riss und der Punjabi  in hohem Bogen in eine tiefe, nach Urin-stinkende, Lacke flog. Nach sorgfältiger Geruchsschnelltestung durch unser Ärzteteam  konnte die fragliche Lacke tatsächlich als Urincuvet hunderter Individuen identifiziert werden. Ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, marschierte unser Professor erhobenen Hauptes weiter. Und ich dachte nur: „WOW! Wie cool“. Nach der kleinen Shoppingtour setzte sich ein Großteil unserer Gruppe in ein Restaurant am Dach eines Hauses. Der Ausblick unseres Tisches war grandios, und wir konnten auch darauf achten, dem Rest der Gruppe zuzuschreien und zu deuten wo wir uns befanden. Einige Mädchen hatten sich nämlich noch nicht vom Shopping lösen können.  Der Geruch der Altstadt war nicht so beißend und schlecht, jedoch roch es gelegentlich leicht nach Marihuana , oder auch Fäkalien. Nach dem Essen gingen wir weiter in Richtung Red-Fort, welches wir durch das Labyrinth bestehend aus kleinen Gassen eher schwer erreichten. Die Antwort auf die Frage: „Wozu haben wir eigentlich einen Arzt mit?“, beantwortete mir der Arzt selbst, indem er sich ein Tuk-Tuk über den Fuß fahren ließ und sich sogleich selbst verarztete. (Stahlkappenschuhe schützen bekanntlich nur die Zehen!) Zuvor machten wir jedoch einen Zwischenstopp bei der Jama masjid-Moschee , die eine der imposantesten Gotteshäuser darstellte, die ich je gesehen hatte. Das Red-Fort selbst gab eher wenig zu sehen her, was vermeintlich daran lag, dass es geschlossen war. Glücklicherweise bekamen wir um einen guten Preis eine Tour durch die alte Stadt, die einen Stopp am Gewürzmarkt beinhaltete. Danach wurden wir zum Bahnhof gebracht, von dem aus wir uns ein Restaurant suchten, um zu Abend zu essen. Nach dem Essen ging es wieder in Tuk-Tuks zurück zum Hotel, und für die meisten von uns auch direkt ins Bett, jedoch blieb unser Burschenzimmer noch bis halb 6 wach, um am nächsten Tag im Zug gut schlafen zu können. Und Simon, der  war auch noch da.